
Leidenschaften ums Automobil
 Der Schweizer Othmar Welti liebt die Herausforderung, die der
Maschinen ebenso wie die des Lebens. Als Teamchef des Formel-3-Rennstalls
Swiss Racing Team ist er die meiste Zeit des Jahres mit seinen
Ingenieuren, Technikern und Rennfahrern unterwegs zu den Rennstrecken des
Formel-3-Zirkus, dem Sprungbrett für die jungen Talente in die Formel 1.
Dass er heute die volle Verantwortung für die Konkurrenzfähigkeit eines
Rennstalls, angefangen bei der Motorenentwicklung bis zum Sponsoring
trägt, war ihm sicherlich nicht vorbestimmt, doch eine gewisse
Leidenschaft zu allem, was mit Motorrad und Automobil zusammenhängt,
prägte bereits seine Jugend. |
 Aus einer Arbeiterfamilie in Sarnen stammend, erlernte Othmar Welti
zunächst das Handwerk des Karosseriespenglers. Bald war ihm klar, dass er
vom Leben mehr erwartete, und er suchte nach Wegen für einen
Hochschulzugang. Eine Begegnung mit Klaus Kusior, Entwicklungsingenieur
bei BMW und Absolvent der FH Ulm, führte den damals 24-jährigen direkt an
die Ulmer Ingenieurschmiede. Der "Schweizer", wie ihn seine Kommilitonen
nannten, hatte in seiner Heimat seinerzeit keine Möglichkeit, eine dem
FH-Studium ebenbürtige Qualifikation zu erlangen. An die Professoren
erinnere er sich gut - es fallen Namen wie Schuler, bei dem Othmar Welti
seinen Schweißfachingenieur machte, Willmerding, Riederle und auch Stief,
der ihm wegen seiner mangelhaften Mathematik-kenntnisse einen schnellen
Abgang prophezeite. Dieser Stachel, so Rennstallbesitzer Welti heute, sei
ihm Ansporn genug gewesen, um das Grundstudium sicher zu absolvieren und
im Hauptstudium als erfahrener "Automobiler" zu glänzen. |
 Ihn interessiere nicht die Schnelligkeit oder das Auto an sich,
sondern die ganzheitliche technische Optimierung einer Maschine auf ihre
Höchstleistung hin, schildert Othmar Welti seine eigene Motivation.
Bereits während des Studiums entwickelte er für ein italienisches
Unternehmen einen LKW, der heute noch im Mittelmeerraum gebaut wird.
Danach stieg er direkt als Konstruktionsleiter in eine
Nutzfahrzeugbaufirma ein, um wenige Jahre später neue Herausforderungen im
Rennwagenbau zu suchen. Der Schweizer Formel1-Rennstall Sauber war sein
nächster Arbeitgeber, Fahrer wie Michael Schumacher und Harald Frentzen
waren seine Partner auf dem Weg zum Erfolg. Nach sechs Jahren stieg er in
die Formel 3 ein, arbeitete mit Jarno Trulli, Norberto Fontana, Timo
Scheider und Marcel Fässler. Mehr als 30 Formel-3-Siege hat Othmar Welti
mit "eingefahren", zweimal wurde er Deutscher Formel-3-Meister und
Vizemeister - dann wagte er den Schritt in die Selbständigkeit. |
 Der Teamchef von Swiss Racing Team sieht sich heute sowohl als
Ingenieur wie als Psychologe. Dem Fahrer den Kopf freimachen und die
Mechaniker so zu motivieren, dass das Team die Höchstleistung bringen
kann, ist sein Ziel. Und bei all der Hochspannung an den Boxen vor Ort,
gilt es den Überblick zu behalten. Mit den Jahren sei er ruhiger geworden,
doch gäbe es auch heute noch Momente, die an die Nerven gingen, wie
unlängst bei einem Rennen in Asien. Eine Dreiviertelstunde lang auf dem
Monitor die Bergung seines verunglückten leblosen Fahrers zu beobachten,
ohne zu wissen, ob dieser noch lebe, sei hart. 400 bis 500 Tausend Euro
muss so ein Fahrer mitbringen, damit er überhaupt in ein Team aufgenommen
wird. Sponsorengelder einwerben und mit den Fahrern verhandeln, ist neben
der Arbeit am Rennwagen Weltis Hauptgeschäft in der rennfreien Zeit
zwischen November und April. Ein Titel fehlt ihm noch und darauf arbeitet
er zielstrebig hin: die Formel-3-Meisterschaft in der Euro-Serie. |
 Und der Privatmann Othmar Welti? Es gibt ihn - als Vater, und jüngst
auch als Großvater. Er genießt diese Rollen, auch wenn seine während der
Ulmer Zeit allen Belastungen gewachsene Ehe letztlich heute nicht mehr
besteht. Entspannung von der beruflichen Hektik findet er in seinem
Luzerner Domizil. Dann heißt es Handy aus und Verstärker an, denn Othmar
Welti greift gerne zu E-Gitarre und Keyboard, um Rock und Hardrock wieder
aufleben zu lassen - eine Musik, fast so intensiv wie
Motorengeräusch! |
 Das Interview zum Porträt führte Dr. Ingrid
Horn im Mai 2004. Foto: Nadja Wollinsky. |
 |
| 
|