
Siegen - gegen sich selbst und gemeinsam mit anderen
 "Done in One" lautet einer der Slogans, hinter dem Horst Simanek als
Vertriebschef des japanischen Werkzeugmaschinenbauers YAMAZAKI MAZAK mit
dem Verantwortungsbereich Süddeutschland voll und ganz steht. Allerdings
trifft dies nicht auf den Lebensweg des gebürtigen Geislingers zu. Er, der
sich selbst als Workaholic bezeichnet, musste sich Schritt für Schritt
seine berufliche Domäne erobern. |
 Etwas Handfesteres als die Post, bei der die Mutter von Horst
Simanek arbeitete, sollte es schon sein. Das meinte zumindest sein
Klassenlehrer, als es am Ende der Volksschulzeit um die Berufswahl ging.
Beim Umgang mit dem Märklin-Baukasten hatte der junge Simanek bereits
seine Geschicklichkeit beim Bau von Baggern erprobt und ein Nachbar, der
als Betriebsschlosser bei WMF arbeitete, seine Bewunderung erweckt.
Folglich ließ der weitsichtige Volksschullehrer seine Beziehungen über
seine Tochter spielen und verschaffte dem Heranwachsenden eine Lehrstelle
bei der Firma Stahlbau Süssen. |
 Horst Simanek absolvierte so mehr zufällig als gewollt seine
Schlosserlehre. Noch heute, so meint der 55-jährige drahtige
Maschinbau-Ingenieur, klängen ihm die Worte seines damaligen Lehrmeisters
im Ohr. Der meinte im Hinblick auf das Kräfte zehrende Handwerk eines
Stahlbauschlossers: "Simanekle, dass Du mir den Hammerberuf nicht ein
Leben lang machst!" Folglich war Weiterbildung angesagt. Der
Technisch-Interessierte holte - gemeinsam mit Freunden - in der
Abendschule die Mittlere Reife nach und ging ein Jahr lang auf das
Gymnasium, bis ihn der frühe Tod seines Vaters psychisch aus der Bahn warf
und er dem Ruf der Bundeswehr folgte. |
 Dennoch - Horst Simanek war klar, dass es nur durch eigenes Tun ein
Voran gab. Da er nach der 11. Klasse das Gymnasium verlassen hatte, fehlte
ihm der direkte Zugang zum Studium. An der Fachhochschule Ulm nutzte er
die Möglichkeit, die Fachhochschulreife durch ein Vorstudium zu erwerben.
Die anschließenden vier Jahre Maschinenbau-Studium waren für ihn die
schönste Zeit seines Lebens, begeistert sich Horst Simanek heute. Das
Lernen und Forschen habe ihm soviel Spass gemacht, dass er den Termin für
das Abschlussfoto seines Studienjahrgangs verpasste. Hin und wieder
verspüre er sogar Heimweh, und es ziehe ihn nach Ulm, um den alten Campus
zu besuchen. |
 Seinen ersten Job hatte Horst Simanek bereits nach dem
Praxissemester bei der Firma EX-CELL-O in der Tasche; sein damaliger
Betreuer Herr Hacke nahm ihn als Sachbearbeiter mit zu EMAG. Unter seinem
Vorgesetzten und dessen Nachfolger konnte er sich jedoch nicht so
entfalten, wie es seiner Leistung entsprach, weshalb er bald zu STAMA als
Projekt-Ingenieur wechselte. Als er auch hier mit ähnlichen Problemen zu
kämpfen hatte, entdeckte er eines Morgens in der Tageszeitung eine
auffällig schwarze Anzeige, die sein Leben entscheidend verändern sollte:
Das japanische Familien-Unternehmen YAMAZAKI MAZAK suchte junge dynamische
Ingenieure, um eine deutsche Niederlassung aufzubauen. Und Horst Simanek
durfte von der Pike auf dabei sein. |
 Als MAZAK-Urgestein hat Horst Simanek die japanische
Unternehmensphilosophie verinnerlicht, die da heißt "Gemeinsam sind wir
erfolgreich". Führen durch Vorbild ist seine Strategie, indem er das
vorlebt und vorredet, was er von seinen Mitarbeitern erwartet. Er war mit
von der Partie, als MAZAK die erste Drehmaschine mit einem
Dialog-CNC-System in den Markt einführte. Der Slogan "Done in One" steht
synonym für den Trend, Fertigungsprozesse unterschiedlicher Art auf einer
einzigen Maschine auszuführen. MAZAK ist heute weltweit die Nummer Eins
unter den reinen Werkzeugmaschinenbauern und hat aus Gründen der
Kundennähe inzwischen auch in Göppingen eine eigene Entwicklungsabteilung
aufgebaut. Die Krone der technischen Entwicklung ist für Simanek das
Mehrseiten-Bearbeitungs-zentrum, das er erstmals auf der AMB 2004 in
Stuttgart der Welt präsentieren konnte. |
 Teamgeist, Kampfgeist, Ausdauer und Disziplin sieht Horst Simanek,
der inzwischen auch als Ausdauersportler seine Leistungsgrenzen ausreizt,
als tragende Säulen des persönlichen und beruflichen Erfolges. Als Ehemann
und Vater einer erwachsenen Tochter weiß er, dass er die Familie mit
seinem ego-zentrierten Power-Play zeitweise überfordert hat. Dennoch steht
sie zu seinem Lebensentwurf. Er selbst regeneriert sich beim
Langstreckenlauf und und betreibt ein konsequentes Aufbau-Training, um in
Wettbewerben wie beim 24-Stunden-Schwimmen der DLRG Süssen zu brillieren.
Im Jungsenioren-Alter brachte er es bei mehr als 300 Teilnehmern mit 40
000 Metern zurückgelegter Schwimmstrecke auf den 2. Platz. Und er ist
überzeugt, dass noch mehr in ihm steckt - sportlich wie geistig. Zur Zeit
beschäftigt ihn die Vision, rechtzeitig der jungen Generation das Ruder zu
überlassen und die eigene intellektuelle Erfüllung zu suchen - vielleicht
sogar gekrönt durch einen Doktorhut. |
 Das Interview zum Porträt führte Dr. Ingrid
Horn im September 2004. |
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