Wenn der Ehrgeiz erwacht
 Als junger Mann nicht reif zu sein für ein Studium, ist für Marco
Senger kein Manko. Der 43jährige Mitgesellschafter eines
EDV-Ingenieurbüros bei Günzburg bereut keine seiner Zwischenstationen auf
dem Weg zum Unternehmer. Mit dem Hauptschulabschluss in der Tasche war
erst ein Mal die Lehre zum Nachrichtengerätemechaniker angesagt. Ums
Geldverdienen sei es ihm gegangen und um die Freiheit, verschiedenes
ausprobieren zu können. Die Gastronomie habe er genauso kennen gelernt wie
das Arbeiten als freiberuflicher Redakteur für den Regionalsport in der
Donau-Zeitung Dillingen. |
 In den 80er Jahren wurde die Bundeswehr zu seiner zweiten Heimat.
Beim Fernmeldebataillon 210 in Dillingen erfüllte Marco Senger sich den
lang gehegten Wunsch, mit Menschen umzugehen. Als Bundeswehrfahrlehrer
bildete er Soldaten auf LKW und Kraftomnibussen aus mit dem eigenen Ziel
im Blick, Berufssoldat zu werden. Dass daraus nichts wurde, habe er
letztlich zwei Menschen zu verdanken, meint er heute rückblickend. Nachdem
er für die Fachoffiziers-Laufbahn an der Bundeswehrfachschule die
Fachschulreife erworben hatte, überzeugte ihn einer seiner Lehrer mit dem
knappen Satz: Da ist doch mehr drin! Sengers Ehrgeiz war geweckt, und mit
familiärem Rückhalt war der künftige Weg klar: Erwerb der
Fachhochschulreife und anschließend Studieren an der Fachhochschule
Ulm. |
 Anfang Dreißig und mit der Verantwortung für eine Familie studiert
man anders, als wenn man ungebunden ist. Marco Senger ließ nichts
schleifen und gibt heute unumwunden zu, dass die bedingungslose
Unterstützung durch seine Frau für ihn der wichtigste Motor war. Die Jahre
an der FHU sind ihm noch gut in Erinnerung. Besonders schätzt er den
Anwendungsbezug des Studiums, und sein eigener technischer Background habe
ihm den Zugang zu den Studieninhalten leicht gemacht. Doch der wirkliche
Sprung ins kalte Wasser stand ihm noch bevor. Als er nach dem Examen in
die Fa. K und R Unternehmensberatung eintrat, für die er bereits während
des Studiums als freier Mitarbeiter tätig war, setzte er alles auf eine
Karte. Er investierte seine gesamten Ersparnisse in ein Unternehmen, das
fortan als KSR EDV-Ingenieurbüro firmiert. |
 Das R im Firmenkürzel steht für Peter Ringhut, ebenfalls
FHU-Absolvent und Ex-Kommilitone, was Sengers Entschluss zur
Selbstständigkeit sicherlich erleichtert hat. Der damalige
Drei-Mann-Betrieb hat inzwischen expandiert und beschäftigt heute 27
Mitarbeiter. Die Firma entwickelt Software vorzugsweise für
Automobilbetriebe wie Karosserie- und Lackfachbetriebe, freie Werkstätten
und Autohäuser. Mit EurotaxSchwacke hat sich inzwischen ein stiller
Gesellschafter eingekauft, der KSR-Software zur Fahrzeugbewertung
europaweit einsetzt. Die Karte hat gestochen, vor allem auch weil KSR in
den Augen Sengers, der für Vertrieb/Marketing und Key-Account
verantwortlich ist, konservativ geführt wird. "Wir sind in den Boom-Jahren
der New Economy nicht reich geworden, aber uns gibt es heute noch", lautet
sein stolzes Statement. Und stolz ist der Selfmade-Mann auch darauf, dass
er immer wieder Zeit findet, sich seiner Familie und seinem Sport zu
widmen: Tennis im Sommer und Tischtennis im Winter im mannschaftlichen
Wettkampf. Das Geheimnis für seinen Erfolg bringt Marco Senger auf einen
einfachen Nenner - Zufriedenheit in alle dem, was man macht! |
 Das Interview zum Porträt führte Dr. Ingrid
Horn im Januar 2004. |
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