Auf der Suche nach spannenden Aufgaben
 Man merkt es sofort: der große, stattliche Mann mit der
schwungvollen markanten Barttracht ist durchsetzungsstark. Früh hat Jürgen
Mohilo, dessen Schreibtisch heute in der Vorstandsetage der
DaimlerChrysler Services am Potsdamer Platz in Berlin steht, seine Eltern
wissen lassen, dass er niemals Zahnmediziner wie sein Vater werden wird.
Vielmehr begeisterte ihn ein Onkel mit einem Unternehmen für Mess- und
Regelungstechnik bereits als Pennäler für das Technisch-Praktische. Und
mehr per Zufall stieß der Abiturient auf ein neues Angebot der
Fachhochschule Ulm, die als erste deutsche Hochschule 1970 einen
Studiengang Informatik einführte. "Neu" ist für den gebürtigen Ulmer immer
noch ein attraktives Reizwort, verbirgt sich doch dahinter Unerwartetes,
Erkundbares und Kreatives gleichermaßen. Gerade die Breite des Studiums
und sein Praxisbezug habe ihm den Zugang zu neuen Feldern in seiner
beruflichen Laufbahn erleichtert, meint Jürgen Mohilo heute. Den Versuch,
nach dem Examen das Informatik-Studium an der TU Berlin fortzusetzen,
hatte er dann auch wegen mangelnden Mehrwertes schnell abgebrochen. |
 Der Einstieg ins Berufsleben führte über eine Einstellung bei einem
klassischen Maschinenbauer, bei dem Jürgen Mohilo mit dem Aufkommen
numerisch gesteuerter Werkzeugmaschinen sein an der FHU erworbenes Wissen
und Können richtig unter Beweis stellen konnte. Ende der 70er Jahre
wechselte er als Abteilungsleiter Technische Datenverarbeitung zur AEG
nach Ulm, deren wechselhafte Firmengeschichte er mit durchlebt hat.
Zwischendurch reizte ihn ein Seitensprung zu Hewlett Packard als
Verkaufsleiter, um wieder etwas Neues auszuprobieren, doch Dr. Gerhard
Jäger, seinerzeit Geschäftsführer des Radarbereiches der AEG in Ulm, holte
ihn schnell wieder zurück ins Glied und erweiterte schrittweise seine
Führungsverantwortung bis zum Chef der Datenverarbeitung. Als Anfang der
90er Jahre aus der AEG die Telefunken Systemtechnik hervorgegangen war,
stand Jürgen Mohilo vor den schmerzlichsten Erfahrungen in seiner
beruflichen Karriere. Mittlerweile Direktor des Fachbereichs Technik lag
es in seiner Verantwortung, den wirtschaftlich erzwungenen Stellenabbau
durchzuführen, Outsourcing-Konzepte umzusetzen und so die Mitarbeiterzahl
von 2500 zu halbieren. Er und seine Mannschaft hätten diese Phase zwar mit
Anstand bewältigt, aber er möchte sie in ihrer Trostlosigkeit nicht noch
einmal erleben, so seine Einschätzung heute. |
 Dennoch - Mohilos Arbeit war so hervorragend, dass Jürgen Schrempp
als Vorstandsvorsitzender der DASA auf den Ulmer aufmerksam wurde und ihn
mit der Leitung eines neuen spannenden Vorstandsprojektes betraute. Die
DASA als multinationaler Konzern hatte Integrationsprobleme und setzte auf
Mohilos Erfahrung und Findigkeit im Dschungel unterschiedlicher
Firmenphilosophien und -kulturen Wege zu gestalten, die sicherstellten,
dass die Vorstellungen des Konzernvorstandes umgesetzt wurden.
Interkulturelles Management hieß die neue Facette, um die Jürgen Mohilo
nun seinen Erfahrungsschatz bereicherte. Als Vorsitzender der
Geschäftsführung führte er anschließend eine Joint-Venture-Unternehmung
zwischen DASA und Zeiss, Oberkochen, aus der Krise und verkauft sie
hochprofitabel. Danach ging es in den Nutzfahrzeugbereich von
DaimlerChrysler, wo er im größten LKW-Produktionswerk Europas in Wörth bei
Karlsruhe die Personalverantwortung übernahm. Der Galopp durch die
Führungsetagen der Konzern-Töchter hat ihn nun zum Finanzdienstleister
DaimlerChrysler Services nach Berlin geführt, wo er als Vorstandsmitglied
für die Ressorts Personal und Information Technology Management
verantwortlich ist. |
 Spitzenmanager wie Jürgen Mohilo brauchen Gegenpole. Für den
54-jährigen ist es seine Familie, die in all den wechselhaften Jahren sein
schwäbisches Refugium geblieben ist. Wenn er an den Wochenenden aus Berlin
in den Ulmer Raum kommt, freut er sich auf Frau und Töchter, die
kulturellen heimatlichen Kontakte und auf einen Ausflug mit seiner Harley
Davidson. Man merkt es sofort: ein Mann, der gleichermaßen durch Dynamik
und Ausgeglichenheit überzeugt. |
 Das Interview zum Porträt führte Dr. Ingrid
Horn im Januar 2004. |
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