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Annette Gumbrecht




Stationen


1974 Abitur


1978 FH Diplom Technische Informatik


1978 Software-Ingenieurin AEG Telefunken


1982 Software-Entwicklerin SIEMENS Medical Solutions


1989 Erziehungsurlaub


1992 Wiedereinstieg SIEMENS Medical Solutions

Spagat zwischen Kernspin, Kindern und Konkurrenz

Das Faible für Mathematik war ihr offenbar angeboren, denn Annette Benzing, wie sie damals hieß, wollte als junges Mädchen unbedingt die Mathematik zum Beruf machen. Die Wahl war Mitte der 70er Jahre nicht einfach, wenn man nicht gerade Lehrerin werden wollte. Doch schlechte Berufsaussichten konnte sie, die ihrem Vater, einem erfolgreichen Maschinenbau-Ingenieur, nacheiferte, nicht von ihrem Ziel abbringen. Den Gordischen Knoten zum Platzen brachte schließlich die Empfehlung der Berufsberatung, Informatik zu studieren, ein hochmodernes Fachgebiet, bei dem man ohne mathematisches Verständnis nicht auskam und dessen berufliche Aussichten phänomenal waren.

Irgendwie war die gebürtige Stuttgarterin, die in Giengen aufgewachsen war, von dem Vorschlag elektrisiert, obwohl ihr Computer wie Informatik bislang gänzlich unbekannt waren. Mit dem Zug war sie jedoch schnell in Ulm, und an der dortigen Fachhochschule, die den Studiengang Technische Informatik anbot, machte sie sich schlau. Dem Entschluss folgten die problemlose Zulassung zum Studium, zielstrebige Studienjahre und ein exzellentes Examen. Und doch war das Ganze auch in anderer Hinsicht Neuland: Sie war und blieb als Informatikerin eine Exotin, während des Studiums an der männerdominierten technischen Hochschule ebenso wie später im Beruf. Als Frau durch Leistung zu überzeugen, ist heute noch ihre Devise, auch wenn sie sich inzwischen eingesteht, dass es für große Karriere mehr braucht!

Bei AEG Telefunken in Ulm startete Annette Benzing ins Berufsleben. Begeistert entwickelte sie Systeme für zivile Flugsicherung, insbesondere für den Flughafen Brüssel, wo sie selbst Fluglotsen schulte. Als stellvertretende Projektleiterin hatte sie die erste Karrierestufe bereits erklommen, als die wirtschaftliche Situation für AEG schwierig wurde. An militärischen Projekten, die zunehmend die zivilen verdrängten, mochte die überzeugte Pazifistin nicht arbeiten, weswegen die Zeit reif war für einen Wechsel. SIEMENS in Erlangen bot mit der Entwicklung des ersten Kernspin-Tomographen eine faszinierende Aufgabe, und Annette Benzing stieg in ein junges Entwickler-Team ein. Mit der Zeit erkannte sie, dass ihre männlichen Mitstreiter ihre schärfsten Konkurrenten um den beruflichen Aufstieg waren. Sie, die Leistungsstarke, hätte sie gerne gemacht - die "Karriere", doch mittlerweile verheiratet, entschied sie sich bewusst für die Familie mit Kindern und für Erziehungsurlaub!

Als die beiden Kinder in den Kindergarten kamen, wollte Annette Gumbrecht es noch einmal wissen, und bewährt sich seitdem jeden Tag aufs Neue beim Spagat zwischen Kernspin und Kindererziehung. Die Karriereplanung musste sie jedoch ihrem Mann überlassen, da sie ihren beruflichen Ambitionen seit dem Wiedereinstieg nur noch halbtags nachgeht. Sie weiß mittlerweile sehr wohl, dass dies für eine Karriere in der Industrie der Todesstoss ist. Wer nur vormittags arbeitet wie sie, kann keine Netze spinnen, weder beim Gespräch in der Mittagspause noch bei den diversen Sitzungen, die in aller Regel nachmittags stattfinden. Wer die Kindererziehung selbst in die Hand nimmt, die Halbwüchsigenen täglich zum Reiten fährtt und bei den Turnieren betreut, die Familie versorgt, ist eben für ein Unternehmen nicht 24 Stunden am Tag verfügbar. Und wer zu lang auf demselben Gebiet vorzügliche Arbeit leistet, ist nicht ersetzbar.

Und dennoch - die temperamentvolle, schlanke 50-Jährige hat nichts bereut. Sie arbeitet nach wie vor gerne in ihrem Beruf als Software-Entwicklerin. Ab und zu gönnt sie sich eine schöpferische Pause von all ihren persönlichen Verpflichtungen, sei es beim gemeinsamen Golfspielen mit ihrem Mann oder beim Musizieren. Die Musik als Quelle der Kraft hat Annette Gumbrecht, die aus einem musikalischen Elternhaus stammt, schon früh zu nutzen verstanden. Während ihre Kommilitonen im Sauschdall, dem legendären Jazzkeller der FH, Abwechslung suchten, zog sie ein innigeres instrumentales Verhältnis vor. Sie ließ die Saiten ihres Cellos im Giengener Kammerorchester erklingen.

Das Interview zu diesem Porträt führte Dr. Ingrid Horn im Dezember 2004.




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Ingrid Horn
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