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Rainer Frank Elsässer




Stationen


Maschinenbauschlosser


FH-Studium Maschinenbau 1964 - 1967


Projektleiter Fichtner-Gruppe


Vorsitzender der Geschäftsführung Fichtner Gruppe


Ehrensenator Universität Stuttgart


Vorstandsmitglied Bayernwerk


Honorarprofessor Universität Stuttgart


Vorstandsmitglied E.ON Energie

Erfolgreich agieren - für und gegen den Strom

Brienner Straße 40 - dort, wo München sich zu seiner feudalen Vergangenheit bekennt, ist Rainer Frank Elsässer seit der Jahrtausendwende beruflich zu Hause. Als Vorstandsmitglied der E.ON Energie lenkt er die Geschicke des größten privaten Energiedienstleistungsunternehmens Europas. Dass der Weg an die Spitze eines Großunternehmens kein gradliniger war, bekennt der gebürtige Stuttgarter ohne Umschweife. Vielleicht war es gerade sein Lebensbekenntnis, das ihm bereits in jungen Jahren die schwersten Steine in den Weg warf: Offen der Welt entgegentreten und die persönlichen Grenzen ausloten - ob als Schüler, Ingenieur oder passionierter Jäger.

An das Gymnasium, das er vorzeitig verlassen musste, weil er das schulische "Korsett" sprengte, schloss sich die Lehre zum Maschinenbauschlosser in Stuttgart an. Sie gab ihm das solide Fundament für die persönliche Weiterentwicklung, für den Antrieb, alles Versäumte nachzuholen, um schließlich an der Fachhochschule Ulm Maschinenbau studieren zu können. Noch heute schwärmt Rainer Elsässer von der damaligen Staatlichen Ingenieurschule Ulm mit ihren lichtdurchfluteten hellen Räumen und den technisch hochwertig ausgestatteten Laboren. Gerade richtig für den dynamischen jungen Mann, der sich auch in seinen Ulmer Jahren nicht nur auf das Studieren beschränkte. Natürlich habe ihm das FH-Studium eine zukunftsfähige fundierte Ausbildung gegeben, aber ebenso wichtig sei ihm das kulturelle studentische Leben gewesen, bekennt der heute knapp 60-jährige freimütig. Zunächst als Kulturreferent und später als erster AStA-Vorsitzender hatte er dabei kräftig mitgewirkt. Zu seinen Glanzleistungen - neben dem preisgekrönten Studienabschluss - zählt er denn auch Bau und Einrichtung des Sauschdall, eines noch heute weit über diie Grenzen Ulms hinaus bekannten Jazzkellers. Dort ließ er nicht nur die Dutch Swing College Band aufspielen - nein, er feierte auch die Hochzeit mit seiner ersten Frau in dieser für damalige Verhältnisse revolutionären Umgebung.

Es mag wie ein Widerspruch erscheinen, dass Rainer Elsässer anschließend fast 30 Jahre seinen beruflichen Mittelpunkt in Stuttgart fand. Als er 1967 in die damals 50 Mitarbeiter zählende Ingenieur-Gesellschaft Fichtner als Projektleiter eintrat, war nicht abzusehen, dass er sie einmal 15 Jahre lang als Vorsitzender der Geschäftsführung leiten würde. Die Berufung in den Vorstand der Bayernwerk AG kam für ihn eher überraschend und dennoch zur rechten Zeit. In Stuttgart hatte er seinen beruflichen Zenit erreicht; die Fichtner-Gruppe zählte inzwischen mehr als 1000 Mitarbeiter und war damit zum größten deutschen Ingenieurdienstleister herangereift. Mit dem Eintritt in ein Groß-unternehmen wie der Bayernwerk AG tat sich für ihn eine neue Dimension beruflicher Herausforderung auf. Statt autokratischem Handeln war Anpassung und Diplomatie gefragt, denn Gremienarbeit stand von nun an im Vordergrund. Und das um so mehr, als es in dieser Zeit im Energiesektor um die Wandlung des Marktes vom Monopol zum Wettbewerb ging. Die Fusion der Bayernwerk AG mit der Preussen Elektra zur E.ON Energie war in Elsässers Augen ein Kraftakt, der mehr forderte, als er es sich vorgestellt hatte. Um so mehr ist er heute stolz auf seinen Beitrag zum erfolgreichen Gelingen dieses Vorhabens.

Doch auch ein Top-Manager der deutschen Industrie hat seine privaten Seiten. Rainer Elsässer lebt sie als Großvater, Jäger und Hochschullehrer. Auch hier bewegt er sich im Spannungsfeld von Ratio und Irratio oder gar Emotio. Als passionierter Jäger zieht er sich zur Regeneration gerne in sein Jagdrevier im ländlichen Franken zurück, scheut aber auch nicht die gelegentliche Konfrontation mit exotischem Großwild in Afrika oder Alaska. Das Ausloten von Grenzen, ein gewisses Maß an Respektlosigkeit also, schätzt er heute noch. Gerade das macht aus seiner Sicht seine Lehrtätigkeit an der Universität Stuttgart, die ihm die Ehren-professur verliehen hat, so interessant. Dort hatte er 1983 den ersten englisch-sprachigen postgraduierten Master-Kurs „Infrastructural Engineering" mit Schwerpunkten bei den technischen Infrastruktursystemen mit aufgebaut. Die Vorzeichen haben sich jedoch inzwischen umgekehrt: Heute sind es die Studierenden, die ihm respektlos gegenüber treten. Rainer Frank Elsässer genießt diesen Gegensatz zu seinem beruflichen Alltag, wo er aufgrund seiner her-ausgehobenen Position seltener Widerspruch erfährt. Rational zu handeln und dabei offen zu sein für Unberechenbares ist seine Lebensphilosophie und sein persönlicher Weg zum Erfolg. Gerne gesteht er dieses Privileg auch der jungen nachwachsenden Generation zu.

Das Interview zu diesem Porträt führte Dr. Ingrid Horn am 17.01.2003.




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Ingrid Horn
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