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Othmar Welti




Stationen


1977 - 1983 Karosseriespengler


Matura 1983


1984 - 1988 FH-Studium Leichtbau/Fahrzeugtechnik


1988 - 1990 Techn. Leiter bei der Fa. Simon Fahrzeugbau


1990 - 1996 Berechnungs- und Messtechnikingenieur bei Sauber


1996 - 1998 Renningenieur bei KMS


1996 - 1999 Renningenieur für Bemani


seit 2000 Geschäftsführer von Swiss Racing Team

Leidenschaften ums Automobil

Der Schweizer Othmar Welti liebt die Herausforderung, die der Maschinen ebenso wie die des Lebens. Als Teamchef des Formel-3-Rennstalls Swiss Racing Team ist er die meiste Zeit des Jahres mit seinen Ingenieuren, Technikern und Rennfahrern unterwegs zu den Rennstrecken des Formel-3-Zirkus, dem Sprungbrett für die jungen Talente in die Formel 1. Dass er heute die volle Verantwortung für die Konkurrenzfähigkeit eines Rennstalls, angefangen bei der Motorenentwicklung bis zum Sponsoring trägt, war ihm sicherlich nicht vorbestimmt, doch eine gewisse Leidenschaft zu allem, was mit Motorrad und Automobil zusammenhängt, prägte bereits seine Jugend.

Aus einer Arbeiterfamilie in Sarnen stammend, erlernte Othmar Welti zunächst das Handwerk des Karosseriespenglers. Bald war ihm klar, dass er vom Leben mehr erwartete, und er suchte nach Wegen für einen Hochschulzugang. Eine Begegnung mit Klaus Kusior, Entwicklungsingenieur bei BMW und Absolvent der FH Ulm, führte den damals 24-jährigen direkt an die Ulmer Ingenieurschmiede. Der "Schweizer", wie ihn seine Kommilitonen nannten, hatte in seiner Heimat seinerzeit keine Möglichkeit, eine dem FH-Studium ebenbürtige Qualifikation zu erlangen. An die Professoren erinnere er sich gut - es fallen Namen wie Schuler, bei dem Othmar Welti seinen Schweißfachingenieur machte, Willmerding, Riederle und auch Stief, der ihm wegen seiner mangelhaften Mathematik-kenntnisse einen schnellen Abgang prophezeite. Dieser Stachel, so Rennstallbesitzer Welti heute, sei ihm Ansporn genug gewesen, um das Grundstudium sicher zu absolvieren und im Hauptstudium als erfahrener "Automobiler" zu glänzen.

Ihn interessiere nicht die Schnelligkeit oder das Auto an sich, sondern die ganzheitliche technische Optimierung einer Maschine auf ihre Höchstleistung hin, schildert Othmar Welti seine eigene Motivation. Bereits während des Studiums entwickelte er für ein italienisches Unternehmen einen LKW, der heute noch im Mittelmeerraum gebaut wird. Danach stieg er direkt als Konstruktionsleiter in eine Nutzfahrzeugbaufirma ein, um wenige Jahre später neue Herausforderungen im Rennwagenbau zu suchen. Der Schweizer Formel1-Rennstall Sauber war sein nächster Arbeitgeber, Fahrer wie Michael Schumacher und Harald Frentzen waren seine Partner auf dem Weg zum Erfolg. Nach sechs Jahren stieg er in die Formel 3 ein, arbeitete mit Jarno Trulli, Norberto Fontana, Timo Scheider und Marcel Fässler. Mehr als 30 Formel-3-Siege hat Othmar Welti mit "eingefahren", zweimal wurde er Deutscher Formel-3-Meister und Vizemeister - dann wagte er den Schritt in die Selbständigkeit.

Der Teamchef von Swiss Racing Team sieht sich heute sowohl als Ingenieur wie als Psychologe. Dem Fahrer den Kopf freimachen und die Mechaniker so zu motivieren, dass das Team die Höchstleistung bringen kann, ist sein Ziel. Und bei all der Hochspannung an den Boxen vor Ort, gilt es den Überblick zu behalten. Mit den Jahren sei er ruhiger geworden, doch gäbe es auch heute noch Momente, die an die Nerven gingen, wie unlängst bei einem Rennen in Asien. Eine Dreiviertelstunde lang auf dem Monitor die Bergung seines verunglückten leblosen Fahrers zu beobachten, ohne zu wissen, ob dieser noch lebe, sei hart. 400 bis 500 Tausend Euro muss so ein Fahrer mitbringen, damit er überhaupt in ein Team aufgenommen wird. Sponsorengelder einwerben und mit den Fahrern verhandeln, ist neben der Arbeit am Rennwagen Weltis Hauptgeschäft in der rennfreien Zeit zwischen November und April. Ein Titel fehlt ihm noch und darauf arbeitet er zielstrebig hin: die Formel-3-Meisterschaft in der Euro-Serie.

Und der Privatmann Othmar Welti? Es gibt ihn - als Vater, und jüngst auch als Großvater. Er genießt diese Rollen, auch wenn seine während der Ulmer Zeit allen Belastungen gewachsene Ehe letztlich heute nicht mehr besteht. Entspannung von der beruflichen Hektik findet er in seinem Luzerner Domizil. Dann heißt es Handy aus und Verstärker an, denn Othmar Welti greift gerne zu E-Gitarre und Keyboard, um Rock und Hardrock wieder aufleben zu lassen - eine Musik, fast so intensiv wie Motorengeräusch!

Das Interview zum Porträt führte Dr. Ingrid Horn im Mai 2004. Foto: Nadja Wollinsky.




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Ingrid Horn
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