Hochschule Ulm
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Joachim Tschira




Stationen


1985 Informationselektroniker


1986 Fachhochschulreife


1986 - 1990 FH-Studium Industrieelektronik


1990 Bühler + Scherler, St. Gallen


1991 Support Engineer, Staefa Control System, Stäfa


1995 Product and Technical Management Siemens Building Technologies, Zug


1998 Aufbau-Studium Wirtschaftsingenieur, Private Hochschule für Wirtschaft, St. Gallen


1999 Leiter Marketing Support Europe, Siemens Building Technologies, Männedorf


2000 Leiter Marketing, Sauter Building Control, Basel


2002 Geschäftsführer MIB AG, Winterthur


2003 Executive Master of Business Administration Universität Zürich, University of Stanford, USA


seit 2005 Director Business Development Asia/Pacific, SIEMENS Switzerland

Studieren, um sich selbst zu finden

Ein Neubau im schweizerischen Winterthur, in seiner architektonischen Anmutung dem Behnisch-Bau der Fachhochschule Ulm nicht unähnlich, ist seit kurzem das berufliche Zuhause von Joachim Tschira. Als Geschäftsführer einer Niederlassung der MIB AG Property and Facility Management mit insgesamt 100 Mitarbeitern ist er verantwortlich für die Geschäfte in der Region Zürich und Ostschweiz. Schwitzerdütsch geht dem gebürtigen Lörracher ebenso flüssig über die Lippen wie Hochdeutsch und Englisch, war es doch quasi seine Muttersprache im alemannischen Teil Badens. Wen wundert es da, dass er inzwischen mit einer Schweizerin verheiratet ist und mit dem gemeinsamen kleinen Sohn am Zürichsee lebt.

Die Frage, wie sein Lebensweg aussehen sollte, hatte Joachim Tschira schon früh beschäftigt. Bereits während seiner Lehre zum Informationselektroniker erkannte er, dass das Kabelziehen nicht seine Welt ist. Er holte die Fachhochschulreife nach und entschied sich gegen den Willen seiner Eltern für ein Studium. Er strebte raus aus der dörflichen Enge seiner Heimat und bereiste die in Frage kommenden Studienorte. Der Sprung von Lörrach nach Berlin schien ihm emotional zu groß, weshalb seine Wahl letztlich auf das beschaulichere Ulm fiel. Vier Jahre lang bildeten nun der Campus Prittwitzstraße, das Studentenheim in der Gutenbergstraße und die nahe gelegenen Kneipen und Cafes das magische Quadrat für eine Art erste Selbstfindung.

Der Vielinteressierte machte die Erfahrung, dass sein Herz nicht unbedingt für die Ingenieurwissenschaften im allgemeinen und die Industrieelektronik im besonderen schlug. "Ich hatte nicht mal einen eigenen PC wie alle meine Kommilitonen" bekennt er freimütig. Stattdessen ging er seinen geisteswissenschaftlichen Neigungen nach und las in der Stammkneipe Hegel und Heidegger, während seine Studienkameraden mit Mathematik-Professor Max Riederle Schafskopf spielten. Seine Talente am ehesten zu schätzen wusste der Philosoph unter den FHU-Professoren Dr. Horst Krämer, der ihn mit einer wegweisenden Aussage beeindruckte: Nicht die Prüfungsbesten werden die Besten im (Berufs-)Leben sein. Und so startete er mit einem ersten Studienabschluss in der Tasche in eine neue Phase der Selbstfindung.

Die Welt kennen lernen, stand fortan auf Tschiras Lebensprogramm. Als Diplom-Ingenieur für Industrieelektronik fasste er zunächst Fuß in der Elektroplanung und der Gebäudeleittechnik. Bei Unternehmen, die später zum SIEMENS-Konzern gehörten, erhielt er schnell die Verantwortung für Support-Dienstleistungen in Europa, wobei die berufliche Spezialisierung auf Marketing und Verkauf zielten. Als eine besonders wertvolle Erfahrung empfindet er heute den Aufbau einer Landesgesellschaft in Dubai für die Siemens Building Technologies AG, bei der er damals als Leiter Product and Technical Management die Verantwortung für den Mittleren Osten hatte. Diese Aufgabe stand in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Bau des einzigen Sieben-Sterne-Hotels der Welt, des luxuriösen und mit vollautomatisierter Haustechnik ausgestatteten Burj al Arab in Dubai. Große Namen gehören auch zum Kundenstamm der MIB AG, deren Ostschweizer Niederlassung Tschira seit zwei Jahren leitet. Für die Swiss Credit Group beispielsweise betreut das Unternehmen repräsentative Liegenschaften am Züricher Paradeplatz und anderswo, angefangen von der technischen Instandhaltung über den Energiereport bis zur Vermietung. Am Standort Winterthur bildet derzeit die Umnutzung des ehemaligen Industriegeländes der Firma Sulzer eine neue Herausforderung.

Auf seinem Weg zur Selbstfindung hat Joachim Tschira nicht vergessen, sein eigenes Profil zu schärfen. Die Fachhochschule Ulm, die Hochschule St. Gallen sowie die Universitäten Zürich und Stanford markieren seine Bildungsstationen. Ihm, dem starre Systeme zuwider sind, war von vornherein klar, dass Weiterentwicklung etwas mit Qualifizierung zu tun hat. Und gerade der MBA, der ihm die MIB AG finanzierte, ist für ihn von besonderem Mehrwert: das Erleben eines amerikanischen Campus und die Auseinandersetzung mit Führungsmethoden aus den verschiedensten Blickwinkeln seiner Kommilitonen - vom General der Schweizer Armee, über die Rektorin der Hochschule Luzern und verschiedene CEO schweizerischer Unternehmen bis zum Vorstandsmitglied von Hoffmann-LaRoche - stärken sein Selbstvertrauen im Umgang mit Führungsproblemen von morgen. Für den 41-jährigen ist dieser Höhepunkt seiner Karriere noch lange kein Schlusspunkt. Wohin ihn sein Lebensprogramm noch führen soll, wollte er allerdings nicht verraten.

Das Interview zum Porträt führte Dr. Ingrid Horn im Oktober 2004.




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Ingrid Horn
© 2004