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Bachelorstudiengang Fahrzeugtechnik
Tätigkeitsfelder und Berufsaussichten

Der Konstrukteur als Produktarchitekt im Entwicklungsprozess
von Dr.-Ing. Ferenc Anisits, früherer Vorstand von BMW

Es gibt kaum eine so schöpferisch und geistig vergleichbare Tätigkeit im Wertgestaltungsprozess wie die des Konstrukteurs. Er wirkt multifunktional und übt entscheidenden Einfluss auf die technischen, wirtschaftlichen und ökologischen Eigenschaften eines Produktes aus - sowohl bei den Herstellern wie auch bei den Nutzern. Der hohe Stellenwert des Konstrukteurs im Unternehmen ergibt sich aus seiner Bedeutung als kreativer Gestalter an der Schnittstelle für Produkteigenschaften, Herstellungs- und Gebrauchskosten sowie der Qualität.

Um so mehr verwundert es, dass die konstruktive Arbeit ihre Anziehungskraft unter den Ingenieuren in zunehmendem Maße zu verlieren scheint. Warum stehen Projektkoordination und technisch-wissenschaftliche Berechnung, ja sogar Tätigkeiten im Versuch im Ansehen der Ingenieure ganz oben und gewinnen ständig an Attraktivität? Während die spezialisierten Fachstellen nur einzelne Teilumfänge des Produktes zu entwickeln haben, müssen Konstrukteure das Produkt stets ganzheitlich betrachten. Gilt auch hier das berühmte Bonmot, wonach die Konstrukteure die Kamele seien, auf deren Rücken die Verwalter und Koordinatoren zu ihrem Erfolg reiten?

Es ist an der Zeit, das Bild des Konstrukteurs klarer zu zeichnen und seine Tätigkeit als eine leitende Funktion im Entwicklungsprozess stärker heraus zu heben und zu würdigen. Der Konstrukteur - als Generalist - muss auch im Zeitalter der Spezialisierung und der revolutionären Veränderung der Kommunikationsstrukturen sowie CAD-geprägten Arbeitsmethoden sein positives Selbstwertgefühl als wichtiger kreativer Konzeptgestalter im Entwicklungsprozess wieder erlangen. Man muss ihn ermutigen, sich als Produktarchitekt und nicht als Wasserträger für Informationen in einer zunehmend verwalterisch wirkenden Entwicklungsorganisation zu definieren.

Ebenso ist ein neues Denken auch bei der Berufsauffassung der Ingenieure von Nöten. Freude am Gestalten technischer Lösungen, kreativ-positives Verantwortungsgefühl im Spannungsfeld zwischen dem technisch Machbaren, Sinnvollen und politisch und ökologisch Durchsetzbaren ist es, was junge Ingenieure mitbringen sollten. Von den Professoren und Dozenten an den Universitäten und Technischen Hochschulen muss gelehrt werden, dass die Konstruktion die Quelle der Innovation ist. Dementsprechend muss die Konstruktion im Lehrplan stärker Berücksichtigung finden.

Schließlich müssen positive Signale an die Konstrukteure auch vom Entwicklungsmanagement gesendet werden. Nur eine attraktive Stellengestaltung und Anerkennung innerhalb der Organisation schafft für die Konstrukteur-Funktion die ihr gebührende Wertschätzung. Denn selbst der leistungsfähigste Computer ist ohne Konzeptentwurf wirkungslos und der beste Manager ohne kreative, konstruktive Ideen zum Scheitern verurteilt. Nur jenen Unternehmen gelingt es, wirkungsvoll zu innovieren, die das eigentliche Ziel - das Konstruieren - begreifen und in den Mittelpunkt des Entwicklungsprozesses stellen.

Aus MTZ Motortechnische Zeitschrift 60 (1999) 7/8, mit freundlicher Genehmigung des Autors.




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