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Hochkomplexe Welt und glückliche Preisträger

Die Hochschule Ulm hat die 383 Absolventinnen und Absolventen des Sommersemesters 2012 feierlich verabschiedet und die Stifter-Preise für herausragende Studienleistungen vergeben. In seiner Ansprache stellte Rektor Professor Dr. Achim Bubenzer die hohe Komplexität der gegenwärtigen Welt in den Mittelpunkt und warnte vor Vereinfachung.

Die Menschheit habe es verstanden, immer neue hochkomplexe Systeme, Prozesse und Produkte zu schaffen – gesellschaftlich wie technisch gesehen. Mit dieser Aussage stieg Professor Bubenzer in ein Thema ein, das angesichts der Finanz- und Schuldenkrise äußerst aktuell ist. Komplexität weckt den Drang zur Vereinfachung vor allem bei jenen, die machtpolitisch oder wirtschaftlich nach den eigenen Vorteilen suchen. Nur allzu leicht werde diesen Vereinfachern geglaubt, so der Rektor. Begegnungen mit hochkomplexen technischen Systemen haben die Absolventen in Studium und Praxis bereits erlebt. Seiner Ansicht nach sollten die Absolventen deshalb wissen, dass man der Komplexität nur mit mühsamer Detailarbeit und in gut organisierten Gruppen zur Leibe rücken kann. Diese Erkenntnis bewahre davor, von Vereinfachern eingefangen zu werden, ist sich Bubenzer sicher.

Höhepunkt des Festaktes war die Verleihung der Preise für besondere Studienleistungen, die einige der Absolventen hoch erfreut mit nach Hause nehmen konnten.

Der VDI-Preis für überdurchschnittliche Abschlussarbeiten ging dieses Jahr an Benjamin Seckinger, Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen, sowie an Michael Sift, Studiengang Medizintechnik. Seckinger beschäftigte sich mit der Frage, wie eine Produktionsstätte für Kleinsolaranlagen im afrikanischen Mozambique ausgelegt sein und funktionieren soll. Er betrachtete dabei die Aufgabe unter den drei Aspekten Wirtschaftlichkeit, Gesellschaft und Umwelt. Im Endeffekt gelang es ihm, die Produktion unter den spezifischen Landesbedingungen zum Laufen zu bringen und eine klare Marktperspektive für das Produkt zu entwickeln.

Die Wasserdesinfektion mit Hilfe von UV-LEDs stand dagegen im Mittelpunkt der Arbeit des zweiten Preisträgers. Sift entwickelte den Prototypen eines mobilen UV-Desinfektionssystems, das auf einer neuartigen UVC-LED basiert. Deren kurzwellige UV-Strahlung zerstört die Desoxyribonukleinsäure (DNS) aller Mikroorganismen. Herzstück ist ein Durchflussröhrensystem, das eine besonders energieeffiziente Nutzung der UV-Strahlung zulässt. Kleine Solarzellen reichen für die Stromversorgung des Systems aus.

Der Förderpreis der FirmaSiemens für die beste Abschlussarbeit der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik ging an Christian Milz, Studiengang Industrieelektronik. Er entwickelte einen parametrierbaren PWM-Signalwandler, der zur Simulation von Sensorsignalen in Prüfanlagen für ABS/ESP-Bremssysteme eingesetzt werden kann.

Den IfKom-Preis, welchen der Verband Ingenieure für Kommunikation, Bezirk Württemberg, für besondere Leistungen auf dem Gebiet der Kommunikationstechnik verleiht, erhielt Igor Beltschikow, Studiengang Nachrichtentechnik. Um aktive Phased-Array-Radarsysteme in Betrieb nehmen zu können, müssen Hunderte von Sende- und Empfangsmodule getestet und kalibriert werden. Damit sich diese Konfigurationszeit erheblich reduziert, hat der Preisträger eine schnelle Schnittstelle sowie die notwendige Ansteuerungs-Software entwickelt und erfolgreich in ein Prüfsystem intergiert. Der Zeitaufwand beträgt damit nur noch Eintausendstel von der bisher anzusetzenden Zeit.

Der Förderpreis der Sparkasse Ulm für herausragende Leistungen in der Zusatzqualifikation „Internationale Wirtschaft“ wurde dreimal vergeben. Er ging an Lorena Kraus, Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen, Volker Kümmel, Studiengang Industrieelektronik, und Oliver Schrenk, Studiengang Medizintechnik.

Doppelabschlüsse: Außerdem erhielten folgende Absolventen die Urkunden für ihre doppelten Abschlüsse, die sich durch ein zeitweises Studium an einer ausländischen Partnerhochschule der Hochschule Ulm erworben haben: Martin Seitz, Studiengang Medizintechnik (Partnerhochschule: University of Bradford), Marco Glöckler, Studiengang Nachrichtentechnik (Partnerhochschule: Napier University Edinburgh) und Patrick Stellmach, Studiengang Industrieelektronik (Partnerhochschule: Napier University Edinburgh).

Autor: Ingrid Horn




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